„Europa in der Krise – Schulden und kein Ende?“ Vortrag von Dipl. Volkswirt Prof. Dr. rer. pol. Hanjo Allinger

Professor Allinger von der Technischen Hochschule Deggendorf hielt am 25. Januar 2017 an der Beruflichen Oberschule Bamberg vor Schülern der 12. und 13. Klassen einen Vortrag über die europäische Staatskrise und deren Verlauf. Mittels Zahlen und Grafiken veranschaulichte Professor Allinger, wie die europäische Schuldenkrise entstand, informierte auch konkret über die Ursachen und zeigte mögliche Zukunftsszenarien für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa auf.

Um die Folgen der Wirtschaftskrise zu erklären, zog Professor Allinger das Beispiel Griechenland heran:
Nach der amerikanischen Immobilienkrise wurde die Kreditaufnahme für viele teurer, weil die Kreditgeber nun genauer hinschauten, wem sie ihr Geld liehen. Dies betraf insbesondere Griechenland, da durch den Euro-Beitritt 2001 die Zinsen für neue Kredite um rund 20 Prozentpunkte gesunken waren. Erfreut über das günstige Geld verschuldeten sich Privatleute und Staat massiv, die Nettoauslandsverschuldung verdreifachte sich von 2001 bis 2007, die Löhne stiegen um 60 %, das Rentenniveau auf 96 %, die Zahl der Staatsbediensteten wurde mehr als verdoppelt. Da die Wirtschaft aber nicht produktiver wurde, sondern durch höhere Lohnkosten teurer, verlor Griechenland die Wettbewerbsfähigkeit und immer weniger Güter wurden exportiert, immer mehr importiert.

Die Verschuldung europäischer Staaten durchleuchtete Professor Allinger, indem er den Schülern die Funktionsweise und die damit einhergehende Problematik der sogenannten Target-Kredite erläuterte:
Durch das internationale Zahlungssystem Target2, das die Länder des Euro-Raums anwenden, können ausländische Zentralbanken zu (Target-)Krediten gezwungen werden. Der Zins für diese Zwangskredite wurde durch Mehrheitsbeschluss der begünstigten Länder von 0,75 % auf 0,0 % herabgesetzt. Target-Forderungen haben keine Fälligkeit. Jede Netto-Überweisung ins Ausland erhöht die Targetverschuldung. Länder wie Deutschland, die in Bezug auf andere europäische Länder einen hohen Handelsbilanzüberschuss aufweisen, haben enorme Target-Forderungen gegenüber Ländern, die ein Handelsbilanzdefizit aufweisen. Dass diese Forderungen nicht fällig gestellt werden können, kann in Zukunft noch zu großen Problemen führen.

Professor Allinger schaffte es mit anschaulichen Vergleichen und mit sehr verständlichen Erklärungen die Zusammenhänge aufzuzeigen und die Komplexität der wirtschaftlichen und auch politischen Gegebenheiten in Europa erahnen zu lassen.

Maximilian Christa, IWW13aL, Sabine Anstötz-Dietz