„Unterwerfung“ – Der Theaterbesuch der 12. und 13. Klassen am E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg

Auch in diesem Schuljahr haben es die Deutschlehrer ermöglicht, dass alle 12. und 13. Klassen gemeinsam eine Schulvorstellung des E.T.A.-Hoffmann-Theaters besuchen konnten. Auf dem Programm stand die „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq. Dieser erzählt die Geschichte des Literaturwissenschaftlers François. Er ist Mitte vierzig, Trinker, Dozent an der Pariser Universität und hat über den Autor Joris-Karl Huysmans promoviert, der ihn fasziniert und als Alter Ego begleitet. Seine Beziehungen zu wesentlich jüngeren Frauen, meist Studentinnen, sind regelmäßig auf ein Jahr befristet. Zugleich verfolgt er die Ereignisse um die anstehende Präsidentschaftswahl: Ein charismatischer muslimischer Politiker, Mohamed Ben Abbes, schart immer mehr Wähler um sich. Die sozialistische Partei (PS) und die Konservativen gehen schließlich ein Bündnis mit Ben Abbes ein, um den Aufstieg des rechten Front National (FN) unter Marine Le Pen zu verhindern. Ben Abbes wird tatsächlich Staatspräsident, ändert die laizistische Verfassung, führt die Theokratie, die Scharia, das Patriarchat und die Polygamie ein. Nun steht François vor der Entscheidung, von der Islamisierung Frankreichs zu profitieren, als Dozent nach der Machtübernahme wesentlich mehr zu verdienen als vorher und sich der neuen Unterwürfigkeit seiner auch minderjährigen Gespielinnen zu erfreuen. Das Stück thematisiert zwei Ängste des heutigen politischen Frankreich: die vor der extremen Rechten einerseits und vor einer Islamisierung Europas andererseits. Der französische wie der deutsche Titel verweist auf die Wortbedeutung von Islam als Unterwerfung oder völlige Hingabe des Gläubigen.

Vor dem gemeinsamen Theaterbesuch erhielten die Schüler eine Einführung durch ihre Deutschlehrkräfte oder zusätzlich noch durch die Theaterpädagogin des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, Frau Parino. Dadurch war es den Schülern gut möglich, dem Inhalt und dessen anspruchsvoller Inszenierung zu folgen.

Fotos: ETA Hoffmann Theater/©Kaufhold