Besuch der Klasse W11c auf der Handwerksmesse am 19.10.2016 - Selbstverwirklichung als Beruf: Das Handwerk

Gerade sind wir in der Halbzeit des ersten Praktikums im Rahmen der fachpraktischen Ausbildung voller neuer Erfahrungen angekommen, schon eröffnet uns Herr Damm nahezu unendlich scheinende weitere Möglichkeiten für unsere Zukunft.

Am Mittwoch, den 19. Oktober 2016, freuen sich die Schüler der Klasse W11c über einen frühen Feierabend, der für die meisten mit der Mittagspause beginnt. Also finden sich alle von uns, die quer über den Landkreis Bamberg auf ihre Praktika-Stellen verstreut sind, nachmittags in der Pausenhalle des Schulgebäudes der Beruflichen Oberschule Bamberg ein. Nach einer gefühlten Ewigkeit sieht man seine Klassenkameraden wieder und berichtet begeistert von seinem Praktikum. Die Stimmung ist gut. Auch Herr Damm, der uns abholt und zu den Gebäuden der Handwerkskammer Oberfranken mitnimmt, ist gut gelaunt.

Am Gelände der Handwerkskammer angekommen, weisen uns freundliche Mitarbeiter den Weg zur Messe. Wir finden uns schließlich in einer weiten und kühlen Halle wieder mit einer Bühne, die mit ihrer Größe und dem Design an eine Festival Mainstage erinnert. Überall um uns sind bunte Banner mit neudeutschen Neologismen und glücklichen Lehrlingen. Eins ist klar: Das Handwerk gibt hier alles, um uns zu begeistern. Das Handwerk braucht uns!

Obwohl für mich ein handwerklicher Beruf eigentlich nicht in Frage kommt, bin ich von den unzähligen Möglichkeiten, die die Branche bietet, beeindruckt. Eine Sprecherin der Handwerkskammer referiert zur Begrüßung über den klassischen Karriere-Baum, in den man mit allen Schulabschlüssen einsteigen kann. Ziel ist immer die Meisterprüfung und, wenn man das möchte, die Übernahme oder Gründung eines eigenen Betriebes. Positiv für uns FOS-Schüler ist vor allem, dass man mit einem Fachabitur die Ausbildung verkürzen kann. Nun bin ich jemand, der mit den klassischen Denk- und Pauk-Fächern wenig anfangen kann. Daher ist für mich in einer Ausbildung vor allem der praktische Aspekt von großer Bedeutung. Und diesen bekomme ich auch. Jede Ausbildung ist laut der netten Dame praxisorientiert und wird nur von wenigen Stunden Berufsschule umrahmt. Ein wenig später treffe ich auf Gleichgesinnte. Herr Käser betritt die Bühne und berichtet, wie er damals zu studieren begonnen hatte, um endlich von zu Hause weg zu kommen. Er bemerkte während der Studienzeit immer wieder, wie theoretisch und realitätsfremd viele der Vorlesungen waren. Allerdings erzählt er weiter, dass er mittlerweile an einer anderen Uni eingeschrieben ist und weiterhin studiert. Doch heute steht er auf der Bühne mit einem Pullover, auf dem das Logo eines regionalen Metallbauers ist. Vorlesungen und wissenschaftliches Arbeiten im Studium und während der Semesterferien wird zum Ausgleich Metall in die richtige Form gebracht. So wird das Studium finanziert und gleichzeitig vergisst man im gewärmten Hörsaal den rauen Arbeitsalltag nicht.

Nach dem Vortrag werden wir auf das Gelände entlassen und können uns bei Lehrlingen informieren und ganz dem Motto des Handwerks gleich praktisch mit anpacken. Eine laute Stimme bittet uns in das umfunktionierte Klassenzimmer herein. Vor meinen Klassenkameraden und mir steht ein Mann mit einem breiteren Grinsen als all die Werbeplakate in der Halle. Bevor er uns begrüßt hat, wirft er jedem von uns schon ein Stück Teig zu und bittet zu Tisch. Wie magisch fliegen seine Hände über die Tischplatte und verwandeln lange Teigrollen in Brezeln, Zöpfe oder andere Highlights aus der Bäckerei. Minutenlang schwärmt er davon, Bäcker zu sein, und erklärt lachend, dass er bei Arbeitszeiten von 2 Uhr nachts bis um 8 Uhr niemals im Dunkeln joggen gehen muss. Ich bin mir nicht sicher, ob er uns das alles nur irgendwie schmackhaft machen will, oder ob das seine volle Überzeugung ist. Ich frage nach, was ihm denn an seinem Beruf am meisten Spaß mache. Wie aus der Pistole geschossen und mit einem Funkeln im Auge antwortet er: „Als Bäcker ist man die erste Anlaufstelle für viele Berufstätige am Morgen, wodurch man durch die in der Nacht produzierte Backwaren und einem heißen Kaffee ,to go‘ bei vielen schon einmal viel Anspannung wegnehmen kann. Der schönste Moment sei, wenn die Kunden tief durchschnaufen, sich das erste Lächeln ihres Tages im Gesicht formt und sie sich bedanken.“

Während der Messe haben wir noch viele weitere Erfolgsgeschichten gehört. Letztendlich habe ich die Branche an diesem Tag sehr positiv erfahren. In der heutigen Zeit zieht es immer mehr Jugendliche in lange Bildungslaufbahnen und Jobs in Büros. Doch sollte man sich niemals vom Mainstream mitreißen lassen und ab und an über den eigenen Horizont hinaus schauen. Die Handwerksmesse war eine gute Plattform dafür und hat meinen Mitschülern und mir viele Möglichkeiten eröffnet.

Yannick Wich, W11c