Besuch der Theateraufführung „Das schwarze Wasser“ im E.T.A. Hoffmann-Theater Bamberg

Am Mittwoch, den 17.02.2016, besuchten alle 12. und 13. Klassen am Vormittag das E.T.A. Hoffmann-Theater. Dort nahm uns die Aufführung „Das schwarze Wasser“ von Roland Schimmelpfennig in eine faszinierende und gleichzeitig idyllische Sommernacht mit, in der zwei unterschiedliche Jugendgruppen plötzlich in einem Freibad aufeinander treffen. Bei den Jugendlichen handelt es sich einmal um Frank, Olli, Freddi, Kerstin und Cynthia, die alle aus der gehobenen Schicht stammen, und im Gegensatz dazu stehen die jungen Erwachsenen Murat, Karim, Leyla und Aishe, deren Eltern Gastarbeiter sind.

Das Stück beginnt also im Freibad, in dem sich junge Erwachsene, die einerseits aus der Mittel- und Oberschicht und andererseits aus der Unterschicht kommen, begegnen. Anfangs stehen beide Gruppen noch getrennt und halten innerhalb ihrer Gruppe zusammen, doch im Laufe der Aufführung machen sie gegenseitig kleine Schritte aufeinander zu, indem sie zunächst miteinander schwimmen, reden und lachen, bis hin zum Flirt. Dieses Sich-Immer-Näher-Kommen wird im Rest des Stücks ganz stark zur Geltung gebracht, beispielsweise in der Roxy-Bar, in die alle nach dem Freibadaufenthalt gehen, oder aber auch im Döner-Laden von Murats Vater bis hin zum Nachhauseweg.

In dieser Nacht, die nicht enden zu wollen scheint, erzählen die einzelnen Charaktere von ihrem jetzigen Leben und von ihrem Leben in 20 Jahren. Während die einen inzwischen hoch angesehene Berufe ausüben und wohlhabend sind, leben die anderen immer noch in Unterschichtsverhältnissen.

Wenn man das gesamte Bühnenbild betrachtet, dann fallen einem als Erstes die in der Luft hängenden Vorhänge auf, auf die das schwarze Wasser des Schwimmbads, aber auch alle anderen Spielorte projiziert werden in Form von kleinen Filmausschnitten. Durch das Rufen von „PAUSE“ oder „STOPP“ durch einzelne Schauspieler wird der Wechsel von der gegenwärtigen Nacht in die Zukunft und wieder zurück klargemacht, so dass jeder weiß, ob die Heranwachsenden von ihrer Jugend oder aber von ihrem zukünftigen Leben in 20 Jahren sprechen.

So kommt es nach 20 Jahren zu einer Wiederbegegnung zwischen Frank und Leyla. Ihre unerfüllte Liebe und Sehnsucht hat die Zeit überdauert und flammt wieder auf. Das weist auf ein beginnendes Drama hin, weil Frank inzwischen mit Cynthia verheiratet ist.

Durch dieses Theaterstück wird verdeutlicht, dass eine Integration kaum stattfindet. So bleiben zum Beispiel die Gastarbeiterkinder auch als Erwachsene in der Unterschicht und müssen ihr Leben durch einfache Jobs wie beispielsweise Kassiererin finanzieren. Währenddessen genießen die anderen Ansehen und Wohlstand in gehobenen Berufen. Dadurch wird deutlich, dass es nicht leicht ist, aufzusteigen, wenn man einmal in der Unterschicht verortet ist.

Einen kleinen Funken Hoffnung auf Integration sowie gegenseitigen Respekt und Achtung gab es noch, und zwar in dem Kuss zwischen Leyla und Frank. Diese Szene, so schön inszeniert, verdeutlichte, dass sich in diesem Moment zwei völlig unterschiedliche Welten ganz nah kommen.

Eine Kritik der Klasse S12dL

Bilder: ETA Hoffmann Theater Bamberg