Billiges Geld – Fluch oder Segen?

„In the long run we are all dead“ lautet John Maynard Keynes‘ berühmte Kritik an einer allzu langfristig orientierten Wirtschaftspolitik. Gegenwärtig könnte dieser Satz auch als Leitspruch für die sehr lockere und kurzfristig orientierte Geldpolitik der drei großen Zentralbanken der USA, Japans und Europas dienen. Umso interessanter war es Franz Krause, den Leiter der Filiale der Deutschen Bundesbank in Nürnberg, begrüßen zu können, der am Montag, den 27.4.2015 an der Beruflichen Oberschule Bamberg zu Gast war und auf Einladung der Fachschaft Wirtschaft einen Vortrag über die „Aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank“ hielt.

Nach der Begrüßung durch OStD Baunach ging Herr Krause zunächst auf die veränderte Rolle der Deutschen Bundesbank durch das Entstehen des Systems der Europäischen Zentralbanken ein. Anschließend gab er einen kurzen Überblick über die Struktur der EZB und die gängigen geldpolitischen Maßnahmen wie Offenmarktgeschäfte und Leitzinspolitik.

Hierbei zeigten sich vor allem zwei Dinge: Zum einen hat sich die aktuelle Geldpolitik an einigen Stellen schon deutlich von den bisher geltenden Lehrmeinungen entfernt, zum anderen gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen über die richtige Geldpolitik zwischen der EZB und der Deutschen Bundesbank. Letztere würde eher für ein etwas restriktiveres Vorgehen plädieren, da sich aus den aktuellen Maßnahmen wiederum eine Vielzahl von Problemen ergäben. Neben Blasenbildungen und einer Erhöhung der langfristigen Inflationsgefahr seien dies vor allem Schwierigkeiten bei der Alterssicherung aufgrund der niedrigen Verzinsung.

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schüler die Möglichkeit Fragen zu stellen, was auch ausgiebig genutzt wurde. Im Zentrum der Diskussion standen hierbei neben den Zahlungsproblemen Griechenlands Fragen zum Außenwert des Euros und die zu erwartende Geldpolitik der EZB. Herr Krause gab zu, dass es wohl keine klare Exit-Strategie der Zentralbanken aus der gegenwärtigen sehr lockeren Geldpolitik gibt.

Auch die Frage nach dem Ausscheiden schwacher Volkswirtschaften aus dem Währungsverbund oder der eine Teilung des Euro-Raums in einen Nord- und Südteil wurden diskutiert. Deutlich wurde, dass es für die gegenwärtige Lage keine einfachen Lösungen gibt, und auch, dass es letztlich häufig keine ökonomischen, sondern eher politische Entscheidungen sind, die getroffen werden müssten.

Ebenso wurde klar, dass bisher kein Land so stark von der Währungsunion profitiert hat wie das exportstarke Deutschland. Obendrein brächte die hierzulande mitunter heftig kritisierte Geldpolitik der EZB dem deutschen Staat, laut Herrn Krause, immerhin Zinsvorteile von jährlich bis zu 40 Milliarden Euro.

Dr. Sichelstiel