Lesung mit Nevfel Cumart

Dem deutsch-türkischen Autor Nevfel Cumart gelang es, mit einer Auswahl seiner Gedichte die Zuhörer bei seinen Lesungen am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in den Bann zu ziehen und zeigte, dass Literatur zugleich unterhaltsam und anrührend sein kann. Dabei wollte Cumart laut eigener Aussage eigentlich nie Schriftsteller werden. Sein erstes Buch veröffentlichte er dann als 17-Jähriger. Mittlerweile zählt er mit insgesamt über 1000 Gedichten, von denen nur ein kleiner Teil in den vierzehn Gedichtbänden erschienen ist, zu den produktivsten Lyrikern der jüngeren Generation. 


Doch Cumart reiht in seinen Lesungen nicht Gedicht an Gedicht. Mit seinen Ausführungen über seine Lebensgeschichte, angefangen von der Namensfindung, seinen Erlebnissen als einziger Junge in einer Mädchenschule bis zu seinen Freundschaften, zahlreichen Reisen, Begegnungen und Erfahrungen gelingt es ihm, sein Leben und das als Schriftsteller anschaulich zu vermitteln und greifbar werden zu lassen. Dabei verbindet er Persönliches, Nachdenkliches und Selbstironisch-Humorvolles. Auch dass es nicht immer leicht war für jemanden wie ihn, der zwischen mehreren Kulturen lebt, weiß er zu berichten. Das große Thema des Sohns türkischer Einwanderer ist das Gefühl, in seiner Heimat Deutschland wie ein Fremder behandelt zu werden. Ein sehr ernstes Thema also. Aber Cumart verleiht seinen Gedichten eine humorvolle und pointierte Note und schaffte es so, die Zuhörer immer wieder zum Schmunzeln zu bringen. Auch dank der klaren, verständlichen Alltagssprache haftete den vorgetragenen Gedichten nichts Angestrengtes oder Verkrampftes an.

Cumart legte viel Wert auf Interaktion mit seinem Publikum. So erfüllte er Gedichtwünsche seiner Zuhörer und diskutierte mit ihnen über Themen wie Religion oder Identität. Der Turkologe und Islamwissenschaftler betonte, dass Migration und Integration „kein Zuckerschlecken“ seien.
Zahlreiche Literaturpreise belegen inzwischen eindrucksvoll, dass Cumart als Dichter mit individuellem Stil und einer eigenen literarischen Sprache seinen Platz in der deutschen Literatur gefunden hat. Die vielen interessierten Fragen der Schüler und der begeisterte Applaus bestätigten seinen Erfolg.