Polen entdecken mit Dr. Matthias Kneip am 20.01.2014

Am 20. Januar 2014 besuchte Dr. Matthias Kneip unsere Schule, um bei den Schülern in einer Lesung "Polen entdecken" Interesse am Land unserer Partnerschule, dem V Liceum in Posen, zu wecken. Dies ist Dr. Kneip mit seiner launigen Mischung aus Vortrag, Lesung und Kabarett auch exzellent gelungen.

Dr. Matthias Kneip ist ein Pendler zwischen den Kulturen, ein Grenzfall zwischen Deutschland und Polen. Durch die Herkunft seiner Familie aus dem deutsch-polnischen Grenzland wuchs er schon als Kind mit deutschen und polnischen Traditionen zu Hause auf, ohne aber die Geschichte seiner Eltern zunächst weiter zu hinterfragen. Erst spät begibt er sich auf die Suche nach den Ursachen für seinen „Grenzfall“, reist mit Eltern und Großeltern in die ehemals deutschen Gebiete Oberschlesiens, um schließlich längere Zeit dort zu arbeiten, weil dieses für ihn fremde und doch nicht fremde Land seine Neugier geweckt hat.

Auszug aus : Grundsteine im Gepäck. Begegnungen mit Polen. House of the Poets. Paderborn 2002. „Das Erste, was ich von Polen hörte, klang für mich chinesisch: Sto lat, sto lat, niech żyje żyje nam ... Meine Eltern weckten mich jahrelang mit diesem polnischen Lied an meinem Geburtstag. Happy Birthday musste ich lernen, mit Sto lat bin ich aufgewachsen, infiziert worden, ohne zu wissen, wodurch und von wem. Obwohl ich den Text nicht verstand, nicht wusste, wo ein Wort anfängt oder aufhört, prägten sich mir die Laute ein, konnte ich sie bald selber nachahmen, mechanisch, einem Automaten gleich abspulen. An Weihnachten stimmten meine Eltern nach dem obligatorischen Stille Nacht und Ihr Kinderlein kommet polnische Lieder an. Wśród nocnej ciszy oder Bóg się rodzi , danach liefen Weihnachtslieder von Mazowsze vom Band. Ich bewunderte den parallelen Zungenschlag meiner Eltern bei so vielen fremdartigen Zischlauten, konnte mir nicht vorstellen, dass sich dahinter ein Text, eine Bedeutung, verbergen sollte. [...] Im Alltag wechselten meine Eltern nur selten Worte in der fremden Sprache. Anfangs war ich fest davon überzeugt, dass dieses Lautgemenge keineswegs in der Lage sein konnte, Inhalte zu übertragen. Später, als wir Kinder begriffen, dass diese fremde Sprache ein Mittel war, Gespräche, zum Beispiel über anstehende Geburtstagsgeschenke, vor unerwünschten Kinderohren geheim zu halten, wuchsen die Zweifel und wir protestierten gegen diese Form der Kommunikation.“

Mit humorvollen, aber auch nachdenklichen Texten gab Herr Dr. Kneip Einblicke in den Alltag und die Kultur unseres östlichen Nachbarlandes. Alltagsunterschiede zwischen Deutschland und Polen wurden ebenso vorgeführt wie verschiedene interkulturelle „Fettnäpfchen“, die einen als Deutscher bei einem Besuch in Polen erwarten.

Dr. Matthias Kneip erreichte es vor allem auch dank seines Humors, bei den Schülern das Interesse für Polen zu wecken und ihre Vorurteile gegenüber einem ihnen häufig fremden Land zu überdenken.